Interessenkonflikte in der Medizin: Mit Transparenz Vertrauen stärken
Ein Vorschlag zur Deklaration von Interessenkonflikten
Die Interessenkonflikte sind in der Medizin allgegenwärtig. Das primäre Interesse des Arztes, das Bestmögliche für den Patienten zu tun, kann mit sekundären Interessen kollidieren, die materieller, sozialer und intellektueller Art sein können.
Folgende Situationen illustrieren Interessenkonflikte und ihre Folgen: Materielle Interessenkonflikte entstehen beispielsweise dadurch, dass Ärzte Zuwendungen von pharmazeutischen Unternehmen oder Herstellern von Medizinprodukten annehmen. Das erhöht die Neigung, ein Medikament zu verschreiben oder ein Gerät zu benutzen, das ansonsten nicht verschrieben oder eingesetzt worden wäre. Materielle Interessenkonflikte entstehen auch, wenn ein Arzt Honorare der Industrie oder anderer Gruppierungen im Gesundheitssystem für Vorträge annimmt. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass er sich direkt oder indirekt für ein entsprechendes Medikament oder Verfahren starkmacht.
Ein weiteres Beispiel sind Gelder, die Ärzte für die Durchführung wissenschaftlicher Studien annehmen. Solche Beziehungen gehen mit einer positiveren Nutzen-Risiko-Abwägung bei Arzneimitteln des sponsernden Unternehmens einher. Interessenkonflikte können aber auch aus intellektuellen oder sozialen Abhängigkeiten entstehen. So kann zum Beispiel die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Therapieschule (etwa Verhaltenstherapie, chirurgische Schule), einer Berufsorganisation oder einer anderen Interessengruppierung, die Präsidentschaft einer Fachgesellschaft oder eines Ausbildungsinstituts oder das Verfolgen der eigenen Karriere zu Interessenkonflikten führen.
Interessenkonflikte sind also vielseitig bedingt und entstehen häufig, aber nicht ausschließlich durch finanzielle Beziehungen zu pharmazeutischen Unternehmen oder Herstellern von Medizinprodukten.
zum Volltext - erschienen im Dtsch Arztebl 2011;108(6):A-256-60
Neues Formular für die Interessenkonflikterklärung
Das Basisformular für die Dokumentation von Interessenkonflikten orientiert sich am von der AG Interessenkonflikte im untenstehenden Beitrag vorgeschlagenen Formular, aber auch an den Vorschlägen des International
Committee of Medical Journal Editors.
zum Beitrag - erschienen im Dtsch Arztebl 2011;108(6):A-6-7
