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Risikokommunikation: Risiken und Unsicherheiten richtig verstehen lernen

Medizinische Fachzeitschriften und Broschüren verbreiten häufig intransparente Statistiken, die Ärzte irreführen, da diese in ihrer Ausbildung nicht darauf vorbereitet wurden. (Autoren: Odette Wegwarth und Gerd Gigerenzer)

Häufig geht die Forschung zur medizinischen Risikokommunikation davon aus, dass nur Patienten Schwierigkeiten mit dem Verständnis von Gesundheitsstatistiken haben. Aber auch Ärzte haben Probleme mit Zahlen. Viele lassen sich durch relative Risikoangaben verwirren, können den positiven Vorhersagewert (PPV) von Früherkennungstests nicht korrekt bestimmen und nehmen fälschlicherweise beim Bewerten von Früherkennungsmaßnahmen an, dass höhere Fünfjahresüberlebensraten eine geringe Sterblichkeit bedeuten. Diese Schwierigkeiten gibt es vor allem deshalb, weil Ärzte an Universitäten unzureichend im Umgang mit Risiken und Unsicherheiten ausgebildet werden und medizinische Zeitschriften und Broschüren statistische Informationen regelmäßig in missverständlicher Form verbreiten.

25 Prozent Risikoreduktion – was bedeutet das?

Den Nutzen einer Behandlung kann man in mindestens drei unterschiedlichen Formen ausdrücken: als relative Risikoreduktion (RRR), als absolute Risikoreduktion (ARR) oder als Anzahl der Personen, die behandelt werden müssen, um einen Todes-/Krankheitsfall zu verhindern (NNT = number needed to treat). Ein Beispiel soll das verdeutlichen: Im Jahr 1996 (3) wurden die ersten Zwischenergebnisse mehrerer randomisierter kontrollierter Studien zum Nutzen der Mammographie veröffentlicht. Die damaligen Ergebnisse zeigten, dass eine regelmäßige Teilnahme an der Mammographie über zehn Jahre das Risiko von Frauen (50 bis 69 Jahre), an Brustkrebs zu sterben, von etwa vier auf drei pro 1 000 Frauen reduzierte. In den drei unterschiedlichen Formen dargestellt, sieht das Ergebnis folgendermaßen aus:

  • RRR: Eine regelmäßige Teilnahme an der Mammographie über zehn Jahre reduziert das Risiko, an Brustkrebs zu sterben, um 25 Prozent (= von vier auf drei).
  • ARR: Eine regelmäßige Teilnahme an der Mammographie über zehn Jahre reduziert das Risiko, an Brustkrebs zu sterben, von etwa vier auf drei pro 1 000 Frauen, also um 0,1 Prozent (eine Frau pro 1 000).
  • NNT: Wenn 1 000 Frauen zehn Jahre lang regelmäßig an der Mammographie teilnehmen, wird eine Frau weniger an Brustkrebs sterben.

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PfeilQuelle: Dtsch Arztebl 2011;108(9):A-448-51

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Zuletzt verändert: 04.03.2011