DGHWi wird Fördermitglied des DNEbM

Die Deutsche Gesellschaft für Hebammenwissenschaft (DGHWi) ist dem EbM-Netzwerk als Fördermitglied beigetreten.

Die Hebammen und Entbindungspfleger zählen aufgrund ihrer rechtlichen Stellung zu den Primärversorgerinnen und -versorgern im Deutschen Gesundheitssystem. Als solche begleiten sie rund 650.000 Fälle pro Jahr, in denen Gesundheitsleistungen im Rahmen der gesetzlichen oder privaten Krankenversicherungen in Anspruch genommen werden. Der Zugang zu den Gesundheitsdienstleistungen geschieht in diesen Fällen im Wesentlichen über ein primär physiologisches Lebensereignis, nämlich der Lebensphase von Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Stillzeit, in deren Verlauf sich erst der Bedarf an mehr oder weniger kostenintensiven Gesundheitsdienstleistungen zeigt. Obwohl in den vergangenen Jahren eine deutlich zunehmende Rate dieser Leistungen u.a. als Interventionen während der Geburt zu verzeichnen ist, konnten die Effektivität und der Nutzen dieser Interventionen jedoch nur unzureichend nachgewiesen werden. Insbesondere im Hinblick auf die Frauengesundheit nach der Geburt eines Kindes gibt es so gut wie keine Daten oder Studienergebnisse, die eine Intervention rechtfertigen oder ihren Nutzen widerlegen. Gleichzeitig tragen die zunehmenden Interventionsraten aber möglicherweise dazu bei, dass vor allem Schwangerschaft und Geburt als sehr risikobehaftete und damit angstbesetzte Ereignisse in der Bevölkerung wahrgenommen werden, was wiederum Interventionen in einen eigentlich physiologischen Prozess zur Folge haben mag.

Das eigenverantwortliche Handeln von Hebammen und Entbindungspflegern in Kombination mit den zunehmenden, aber unzureichend evidenzbasierten Interventionsraten erfordert neben der traditionellen auch eine wissenschaftliche Ausrichtung in der Ausbildung der Berufsgruppe. Das Fach Hebammenwissenschaft greift als zugegebenermaßen noch sehr junge Disziplin diese Erfordernisse auf, braucht aber Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sowie Praktikerinnen und Praktiker, die zur Entwicklung des Faches an sich und damit der Frauen- und Familiengesundheit beitragen. Als wissenschaftliche Fachgesellschaft zielt die Deutsche Gesellschaft für Hebammenwissenschaft e.V. (DGHWi) deshalb darauf ab, das Fach Hebammenwissenschaft in Forschung und Lehre zu fördern, dazu insbesondere den wissenschaftlichen Diskurs in der Disziplin zu unterstützen und dabei den wissenschaftstheoretischen und methodologischen Pluralismus zu gewährleisten sowie die Ergebnisse der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen. Ihre Mitglieder setzen sich derzeit aus Hebammenwissenschaftlerinnen, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern verschiedener Bezugsdisziplinen sowie Hebammen aus der Praxis zusammen.

Eine ressourcenorientierte und damit effektive und effiziente Betreuung von Frauen und ihren Familien in der Lebensphase von Schwangerschaft, Geburt, Wochenbett und Stillzeit erfordert eine gute Vernetzung der an deren gesundheitlichen Versorgung beteiligten Berufsgruppen. Dies nicht nur in der Praxis, sondern auch im Bereich von Forschung und Lehre. Die Mitgliedschaft der DGHWi im Deutschen Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. ist eine gute Gelegenheit diese Interdisziplinarität zu fördern und nach außen zu tragen.

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Zuletzt verändert: 25.09.2013