Das kollektive Schweigen zum Mammographie-Screening

In seiner aktuellen Pressemitteilung fordert das Deutsche Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. die gesundheitspolitischen Entscheidungsträger auf, einen öffentlichen Diskurs über eine Neubewertung des Nutzens und Schadens des Mammographie-Screenings zu starten.

Mammographie-Screening-Programme sollen gestoppt werden, empfiehlt das Swiss Medical Board, ein Schweizer Expertengremium aus Medizin, Ethik, Recht und Ökonomie, in einer aktuellen Ausgabe des führenden Wissenschaftsjournals The New England Journal of Medicine. Eine überfällige Aufforderung sei dies, eine ernsthafte öffentliche Diskussion zu beginnen, so kommentieren Ingrid Mühlhauser und Gabriele Meyer vom Deutschen Netzwerk für evidenzbasierte Medizin e.V. (DNEbM). Zu beunruhigend seien die wissenschaftlichen Ergebnisse aus den letzten Jahren, die einen Nutzen des Mammographie-Screenings in Frage stellen und den bisher unterschätzten Schaden des Screenings deutlich machen.

Nutzen und Schaden werden falsch eingeschätzt

Die Gründe für das kollektive Schweigen in Deutschland sind vielfältig. „Eine Hauptursache liegt jedoch in den immer noch vorherrschenden Fehleinschätzungen und Trugschlüssen der Bevölkerung zum Nutzen und Schaden des Mammographie-Screenings“, so Ingrid Mühlhauser, Sprecherin des DNEbM Fachbereichs für Patienteninformation. Aktuelle Untersuchungen bestätigen, dass Frauen in Deutschland den Nutzen des Screenings massiv überschätzen und den Schaden teils gar nicht kennen oder deutlich unterschätzen. Die Informationsprozesse im deutschen Screening-Programm sind nicht geeignet den Frauen informierte Entscheidungen zu ermöglichen. Immer noch würden die rosa Schleifen die Meinungsbildung dominieren anstatt ausgewogene und verständliche Information, resümiert Gerd Gigerenzer, Leiter des Max-Planck Instituts für Bildungsforschung in Berlin, in der aktuellen Ausgabe des British Medical Journal. Er fordert daher Frauen und Frauenorganisationen auf, die rosa Schleifen zu zerreißen und stattdessen sich in Kampagnen für ehrliche Informationen zum Mammographie-Screening einzusetzen. Das DNEbM will nicht nur die Zivilcourage gestärkt sehen, sondern appelliert nachdrücklich an die gesundheitspolitischen Entscheidungsträger: „Wir brauchen einen öffentlichen Diskurs über eine Neubewertung des Nutzens und Schadens des Mammographie-Screenings. Bürgerinnen (und auch Bürger) in diesem Land haben das Recht, verständlich und nachvollziehbar über die zu erwartenden Effekte des Screenings informiert zu werden und auch natürlich über die Gründe, das Screening weiterzuführen oder aber ggf. einzustellen. Auch die Kostenimplikationen des Programms sind offen zu legen“, das ist das Fazit der zwei DNEbM-Vertreterinnen.

Vollständige Pressemitteilung (mit Referenzen)

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Zuletzt verändert: 13.05.2014