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Nach mühsamem Beginn jetzt der Hype: Droht die EbM-Inflation?

Die 16. Jahrestagung des Deutschen Netzwerks Evidenzbasierte Medizin (DNEbM) am 13. und 14. März in Berlin widmet sich dem Thema: „EbM zwischen Best Practice und inflationärem Gebrauch“. Einen der drei Hauptvorträge hält Eckart von Hirschhausen.

Die Evidenzbasierte Medizin, kurz EbM, hat sich während der letzten Jahre als Standardinstrumentarium in verschiedenen Bereichen der Gesundheitsversorgung etabliert. Zunächst war es in den 90er Jahren nur ein kleiner Kreis von Medizinern, die sich für die Methoden der klinischen Epidemiologie begeistern konnten und faire und aussagekräftige Therapievergleiche forderten. EbM wird nunmehr schon lange über diesen kleinen Kreis und auch über individuelle klinische Fragestellungen hinaus angewendet. Die Methoden wurden auch von anderen Gesundheitsprofessionen übernommen, so zum Beispiel als evidenzbasierte Pflege.

So weit so gut, wenn da nicht der ausufernde Gebrauch des Begriffs „EbM“ wäre: Wahre Stilblüten finden sich in der öffentlichen Kommunikation wie „evidenzbasiertes Trösten“ oder „evidenzbasiert eine Spastik lösen“. An den Hochschulen wird neuerdings „evidenzbasiert gehandelt“ und andernorts wird „evidenzbasierte Angehörigenintegration im Gesundheitswesen“ eingefordert. Zudem ist im Namen der EbM eine wahre Schwemme an Studien und Übersichtsarbeiten zu beobachten, die bei Lichte betrachtet verzichtbar wären und doch zu dem Schluss kommen: Weitere Forschung ist notwendig!

Die ursprünglichen Fragen der EbM drohen in den Hintergrund zu geraten: Wie lässt sich die Gesundheitsversorgung verbessern? Wie kann eine gerechtere Zuteilung von medizinischen und Gesundheitsleistungen gefördert werden? Und vor allem, wie werden bessere Ergebnisse für die Patienten und Verbraucher im Gesundheitswesen erreicht? Je elaborierter die EbM-Methodik wird, desto dringlicher stellt sich manchem die Frage: Sind die EbM-Instrumente gar zum Selbstzweck geworden? Unterminieren sie, was EbM eigentlich ist? EbM, die ureigentlich den Anspruch hatte, nachvollziehbar und transparent zu sein? Braucht es also neue Standards, jetzt wo EbM zum selbstverständlichen Handwerkszeug der Akteure im Gesundheitswesen geworden ist?

Prof. Dr. Gabriele Meyer, Netzwerk-Vorsitzende und frisch berufenes Mitglied im Sachverständigenrat der Bundesregierung, ist es ein Anliegen, genau diese Fragen zu stellen, kritische Bilanz zu ziehen und konstruktive Lösungen anzudenken. Gelegenheit dazu ergibt sich am 13. und 14. März 2015 in den Räumen der Charité in Berlin bei der 16. Jahrestagung des DNEbM, zu der wir Sie herzlich einladen möchten. 14 interaktive Workshops stehen zur Auswahl, dazu Plenarvorträge, Vortragssessions, Poster-Präsentationen und Podiumsdiskussionen.

Der Eröffnungsvortrag hält Dr. Wim Weber, Editor des British Medical Journals. Er macht sich Gedanken über die Verwässerung der Evidenzbasierten Medizin. Im zweiten Vortrag fragt Dr. Eckart von Hirschhausen: Wie viel Humor verträgt die EbM? Warum ist es manchmal vernünftig, die Unvernunft ernst zu nehmen? Wenn man wirksam und unwirksam unterscheiden kann – warum interessiert es viele nicht? Als gelernter Wissenschaftsjournalist weiß Hirschhausen um die Tücken der medialen Übersetzung und Wahrnehmung und als Komiker versucht er, zwischen den Welten zu vermitteln. Am Samstag greift Dr. Beate Wieseler, Leiterin des Ressorts Arzneimittelbewertung beim IQWiG, mit dem dritten Hauptvortrag noch einmal prominent das Thema des Kongresses auf. Ihre Frage lautet: „Erweiterung des Methodenspektrums bei der Nutzenbewertung: Fortschritt oder Rückschritt?“

Bitte informieren Sie sich über das fortlaufend aktualisierte Programm auf www.ebm-kongress.de. Als Journalistinnen und Journalisten bitten wir Sie, sich über das entsprechende Formular auf der Homepage anzumelden. Dort können Sie auch angeben, ob Sie an einer Pressekonferenz interessiert sind oder lieber Gesprächspartner vermittelt bekommen möchten.

Wir freuen uns auf Ihr Kommen und auf anregende Gespräche!

 

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Zuletzt verändert: 19.02.2015