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David-Sackett-Preis 2015 zeichnet Forschung zum Abbruch klinischer Studien aus

Das Deutsche Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e.V. (DNEbM) hat den David-Sackett-Preis 2015 am 14. März im Rahmen seiner 16. Jahrestagung in Berlin an eine schweizerisch-deutsch-kanadische Forschergruppe um Prof. Matthias Briel verliehen.

Klinische Studien bilden die Grundlage einer modernen Medizin, die sich auf Fakten - also Evidenz - und nicht auf bloße Meinungen stützt. Während erfolgreich abgeschlossene Studien oft breit wahrgenommen werden, weiß man aber bislang kaum etwas über abge­brochene Studien. Eine Analyse einer schweizerisch-deutsch-kanadischen Forschergruppe fand kürzlich heraus, dass klinische Studien erschreckend häufig abgebrochen werden und dann meist auch unveröffentlicht bleiben. Von den über 1000 Studien, die an sechs Universitäten in der Schweiz, in Deutschland und in Kanada begonnen wurden, wurde ein Viertel abgebrochen. Mehr als die Hälfte wurde nie veröffentlicht. Vor allem Studien ohne Industrieunterstützung konnten oft nicht die geplante Zahl an Patienten einschließen. Häufiger unveröffentlicht blieb eine Studie vor allem dann, wenn ein einzelnes Krankenhaus ohne externe Kooperationspartner Forschung betrieb.

Die preiswürdige Arbeit wurde unter Leitung von Prof. Dr. Matthias Briel (Universität Basel) erstellt. Briel hat in Freiburg Medizin studiert und beschäftigt sich seit einigen Jahren mit abgebrochenen Studien. Dem Thema wurde international große Beachtung geschenkt. Finanziert wurde die prämierte Arbeit unter anderem durch den Schweizerischen National­fond und die Deutsche Forschungsgemeinschaft.

In seiner Laudatio wies Dr. Stefan Sauerland, Jury-Mitglied und Methodik-Experte des DNEbM, darauf hin, dass man aus Misserfolgen in der Medizin oft mehr lernen könne als aus Erfolgen. Daher sei es so wichtig, sich mit diesem Thema zu beschäftigen und darauf zu drängen, auch abgebrochene Studien zu veröffentlichen: „Wenn wir nur die Erfolge publik machen, glaubt jeder, dass es nie Misserfolge gab. So sind wir gezwungen die Misserfolge in Forschung und Behandlung zu wiederholen“, so Sauerland.

Aus Sicht der DNEbM-Jury muss die Industrie-unabhängige klinische Forschung stärker unterstützt werden, damit diese Studien professionell und erfolgreich durchgeführt werden können. Letztendlich ist dies eine Bringschuld gegenüber den Patientinnen und Patienten, die sich für klinische Studien zur Verfügung stellen.

  • Volltext der Arbeit “Prevalence, characteristics, and publication of discontinued randomized trials” im Journal of the American Medical Association
  • Pressemitteilung
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Zuletzt verändert: 16.03.2015