Definitionen

Der Begriff "Evidenz in der Medizin" wird in unterschiedlichster Weise interpretiert. Hier finden Sie die Definitionen des DNEbM.


Evidenz (lat. evidentia = Augenscheinlichkeit ) bedeutet umgangssprachlich: Augenschein, Offenkundigkeit, völlige Klarheit. „Das ist doch evident“ bedeutet somit, dass etwas nicht weiter hinterfragt werden muss.

 

Im Kontext der Evidenzbasierten Medizin hat der Begriff Evidenz eine völlig andere Bedeutung. Hier leitet er sich vom englischen Wort  "evidence" (= Aussage, Zeugnis, Beweis, Ergebnis, Unterlage, Beleg) ab und bezieht sich auf die Informationen aus wissenschaftlichen Studien und systematisch zusammengetragenen klinischen Erfahrungen, die einen Sachverhalt erhärten oder widerlegen.

 

Evidenzbasierte Medizin (EbM = beweisgestützte Medizin) ist demnach der gewissenhafte, ausdrückliche und vernünftige Gebrauch der gegenwärtig besten externen, wissenschaftlichen Evidenz für Entscheidungen in der medizinischen Versorgung individueller Patienten.

Unter Evidenz-basierter Medizin ("evidence based medicine") oder evidenzbasierter Praxis ("evidence based practice") im engeren Sinne versteht man eine Vorgehensweise des medizinischen Handelns, individuelle Patienten auf der Basis der besten zur Verfügung stehenden Daten zu versorgen. Diese Technik umfasst die systematische Suche nach der relevanten Evidenz in der medizinischen Literatur für ein konkretes klinisches Problem, die kritische Beurteilung der Validität der Evidenz nach klinisch epidemiologischen Gesichtspunkten; die Bewertung der Größe des beobachteten Effekts sowie die Anwendung dieser Evidenz auf den konkreten Patienten mit Hilfe der klinischen Erfahrung und der Vorstellungen der Patienten.

Ein verwandter Begriff ist die Evidenzbasierte Gesundheitsversorgung („Evidence-Based Health Care - EbHC“), bei der die Prinzipien der EbM auf alle Gesundheitsberufe und alle Bereiche der Gesundheitsversorgung, einschließlich Entscheidungen zur Steuerung des Gesundheitssystems, angewandt werden.

Die Praxis der EbM bedeutet die Integration individueller klinischer Expertise mit der bestmöglichen externen Evidenz aus systematischer Forschung [mod. nach Sackett at al. 1996, Sackett at al. 1999].

Die Umsetzung erfolgt in einem mehrstufigen Prozess:

  • Ableitung einer relevanten, beantwortbaren Frage aus dem klinischen Fall
  • Planung und Durchführung einer Recherche der klinischen Literatur
  • Kritische Bewertung der recherchierten Literatur (Evidenz) bezüglich Validität / Brauchbarkeit
  • Anwendung der ausgewählten und bewerteten Evidenz beim individuellen Fall
  • Bewertung der eigenen Leistung.

 

Eine kurze Einführung in die Geschichte der EbM finden Sie hier.

Quellen:
EbM Working Group. Users Guides to Evidence-Based Practice. 1992-1995
DNEbM. EbM-Glossar, Stand 2006

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Zuletzt verändert: 30.12.2011