Artikel des Monats - Mai 2008

Klinische Effektivität und Kosteneffektivität des Einsatzes der 64- oder höherzeiligen Computertomografie als Alternative zur invasiven Koronarangiografie bei der Abklärung von Patienten mit koronarer Herzerkrankung


Das vorliegende Health Technology Assesment (HTA), publiziert im Mai 2008, das von einem britischen Team bestehend aus HTA-Experten, Radiologen und Kardiologen erstellt wurde, beschäftigt sich mit der Frage, ob eine CT-Angiografie (CTA), durchgeführt mit einem 64- oder höherzeiligen Computertomographen hinsichtlich klinischer Effektivität und Kosteneffektivität bei Patienten mit bekannter koronarer Herzerkrankung nützlicher ist als eine invasive Koronarangiografie.

Die Literatursuche wurde in verschiedenen Datenbanken durchgeführt und beschränkte sich auf englischsprachige Arbeiten, die zwischen Jänner 2002 und Dezember 2006 publiziert wurden. Es wurden diagnostische Genauigkeitsstudien, in denen die absoluten Zahlen für die Eintragung in eine Vierfelder-Tafel mit richtig-negativen, richtig-positiven, falsch-negativen und falsch-positiven Werten angeführt waren, sowie prognostische Studien mit Wahrscheinlichkeitsangaben für ein zukünftiges kardiales Ereignis in das HTA aufgenommen.  Die 41 diagnostischen Genauigkeitsstudien und 5 prognostischen Studien mit jeweils 2500 bzw. 1700 Patienten wurden hinsichtlich ihrer methodischen Qualität, gemessen mit der QUADAS-Checkliste, als hinreichend gut bewertet.

Die CTA zeigte eine sehr hohe gepoolte Sensivität von 99% für die Detektion einer signifikanten koronaren Herzerkrankung (definiert als 50%ige oder höhergradige Stenose). Auf Ebene der Segmente war die Sensitivität mit 90% niedriger, allerdings bei höherer Spezifität (97%). Bei der Abbildung der verschiedenen Koronararterien zeigten sich Sensitivitätsraten von 85%-95% bei einer Spezifität von 96%-100%. Alle 95%igen Konfidenzintervalle waren sehr eng.  Auch bei der Abklärung von Patienten mit Bypass oder Stents erwies sich die CTA als nützlich.
Hinsichtlich der 30-Tages-Prognose zeigte die CTA bei Niedrigrisikopatienten sehr gute negative Vorhersagewerte. Die Autoren schlussfolgern daraus, dass die 64-Zeilen CTA fast so gut wie die Koronarangiografie bei der Erstellung von richtig-positiven Befunden ist, jedoch mehr falsch-positive Befunde liefert. Dieser und andere Gründe sprechen dafür, dass auf die diagnostische Koronarangiografie nicht verzichtet werden kann. Der hauptsächliche Nutzen der CTA besteht im Ausschluss von koronarer Herzerkrankung. Allerdings müsste die Technik für Notfallsituationen jederzeit verfügbar sein. Zur Kosteneffekitvität der CTA können noch keine evidenzbasierten Aussagen gemacht werden, mit der Ausnahme, dass sie wahrscheinlich kosteneffektiver als die myokardiale Perfusionsszintigrafie ist.

Anmerkung:
Die Ergebnisse des HTA Berichts relativieren sich insoferne ein wenig, als in vielen der inkludierten Studien Gefäßsegmente mit einem Durchmesser unter 1,5mm oder 2,0mm von der Analyse exkludiert wurden. Bei der Evaluation der Koronarstents wurden in einigen Arbeiten Stentdurchmesser bis zu 3,0mm bzw. 3,5mm als nicht evaluierbar eingestuft.


Quelle:
Mowatt G, Cummins E, Waugh N, Walker S, Cook J, Jia X, Hillis GS, Fraser C. Systematic review of the clinical effectiveness and cost-effectiveness of 64-slice or higher computed tomography angiography as an alternative to invasive coronary angiography in the investigation of coronary artery disease. Health Technol Assess. 2008 May;12(17):1-164.




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Zuletzt verändert: 31.05.2008