Ethik und EbM

Der Fachbereich Ethik und EbM stellt hier seine Ziele und Aufgaben vor sowie Themen, die im Rahmen des Fachbereichs diskutiert und gemeinsam bearbeitet werden.

 

Fachbereichssprecher

 

Sprecher:

Prof. Dr. med. Dr. phil. Daniel Strech

E-Mail

Stellv. Sprecherin:

Juniorprofessorin Dr. med. Dr. des. Sabine Salloch

E-Mail

 

Inhalte

pfeil.gifZiele und Aufgaben

pfeil.gifProblembereiche zur Diskussion

pfeil.gifTätigkeiten und Vorhaben


Ziele und Aufgaben

 

Der Fachbereich hat grundsätzlich zum Ziel, eine Plattform für die Diskussion und Analyse ethischer Aspekte der evidenzbasierten Medizin auf der Mikro- und Mesoebene der klinischen Versorgung und auf der Makroebene des Gesundheitswesens bereitzustellen. Medizin wird in einem weiten Sinn verstanden, und umfasst klinische wie auch pflegende Bereiche, solche, die der Public Health zugerechnet werden können, und Versorgungsforschung. Durch die Zusammenarbeit von Mitgliedern unterschiedlichster Provenienz soll der Dialog zwischen den Bereichen Ethik und EbM gefördert und so zu einer Weiterentwicklung der Inhalte und Methodik der EbM beigetragen werden. Inhalte und Methoden der EbM können so auch in die Diskurse in der Medizinethik hineingetragen werden und die Debatte befördern.

Der Fachbereich versucht diese Ziele über unterschiedliche Mittel zu erreichen. Diese beinhalten die Durchführung von Veranstaltungen wie Workshops, die zur Erörterung neuer Themen dienen können, wie auch zur Erstellung von Diskussionspapieren oder der Vorbereitung von Stellungnahmen zu konkreten regelungsrelevanten Fragen. Letztere werden von typischerweise Fachbereichs-übergreifenden Arbeitsgruppen (AGs) nach Beschluss des DNEbM Vorstandes erstellt. Themenvorschläge zu diesen verschiedenen Formaten werden jederzeit gerne per email von den Fachbereichssprechern entgegengenommen (bitte geben Sie auch an, ob Sie sich selber an einer AG beteiligen möchten.

 

Problembereiche zur Diskussion

Als eine nicht-erschöpfende Skizze zu Themen, die nach Diskussionen und formellen wie auch informellen Umfragen innerhalb des Fachbereichs, wie auch unter anderen Netzwerksmitgliedern als besonders relevant erscheinen, seien folgende Fragestellungen genannt.

Verhältnis EBM und Ethik.
Die Frage, ob, und wenn wie, sich Fakten von Werten unterscheiden ist von besonderer Relevanz für den Bereich der Medizin, Versorgungsforschung usw:  Ist Ethik als ein Korrektiv zur wert-neutralen EBM aufzufassen, oder sind alle EBM Tätigkeiten an sich bereits unausweichlich Wert-geladen?  Wenn letzteres der Fall ist, wie lassen sich solche Werte artikulieren, und wie verhalten sie sich zu denen der traditionellen Ethik?  Insofern es die EBM eines Korrektivs der Ethik bedarf, wie sollte dieses umgesetzt werden?  Inwieweit ist es sinnvoll, Probleme, die vordergründig politisch oder ökonomisch motiviert sind, als ethische Fragen aufzufassen? 

EbM und klinische Professionalität.
Ethische Grundprinzipien (Patientenautonomie, Gerechtigkeit, Nicht-Schadens-Gebot, Wohltun) und relevante Prinzipien der Selbstverpflichtung von Klinikern (z.B. Kompetenz, Qualitätsentwicklung, Wissenschaftlichkeit, Aufrichtigkeit etc. stehen in enger Verbindung mit den Prinzipien der EbM (Systematik, Objektivität, Transparenz, Wahrheit). Welche Aspekte der EbM sind notwendig zur Bestimmung von klinischer Professionalität und wie müssen diese in der Praxis zur Geltung gebracht werden? Welche weiteren ebenfalls notwendigen aber nicht an die EbM gebundenen Aspekte sind relevant, um den Begriff der klinischen Professionalität hinreichend zu definieren?

Eigen- und Gemeinschaftsnutz.
Personenbezogene medizinische Daten im Kontext der Prävention, Behandlung und Rehabilitation sind von offenkundigem Interesse für individuelle Patienten, aber auch für Kliniker, Forscher und Gesundheitspolitiker.  Die Teilnahme an medizinischer Forschung findet in einem ähnlichen Spannungsfeld statt.  Wenngleich das Interesse von Einzelpersonen verständlich sein kann, personenbezogene Daten nur in sehr begrenztem Maße zugänglich zu machen, können solche Beschränkungen die Evidenz auf der Urteile über die Wirksamkeit von diagnostischen Verfahren oder Interventionen gefällt werden, maßgeblich beeinflussen. In wie weit kann eine Verantwortung von einzelnen motiviert werden, dazu beizutragen, dass die Evidenzbasis möglichst breit ist, und in wie weit sind entsprechende Regelungen als unangemessen paternalistisch abzulehnen?

Ethische Aspekte in HTA Berichten.
Wie können die klassischen EbM-Prinzipien der Systematik und Transparenz Anwendung finden bei der Identifizierung, Relevanz- und Qualitätsbewertung und Synthese von konzeptionellen und empirischen ethischen Informationen im Rahmen der Erstellung von ethisch sensiblen HTA Berichten?

Evidenz-basierte Ressourcenallokation.
Die Rationalisierung der Medizin war und ist das primäre Ziel der EbM. Zunehmend wird ihre Bedeutung für die sog. Priorisierung (und dann ggf. auch Rationierung) von klinischen Leistungen und Indikationen betont (z.B. in Schweden und England). In welche ethischen Spannungslagen gerät die EbM auf dem Feld der Evidenz-basierten gesundheitlichen Versorgung (EbHC)?

Wer generiert und nutzt wie welche Evidenz?
Der Fokus der EBM liegt zentral auf der Evidenz zur Effektivität von Interventionen.  Die Möglichkeiten der Generierung derartiger Evidenz kann sich jedoch je nach Bereich beträchtlich unterscheiden, beispielsweise, im klinischen und Public Health Kontext. Welche Schwellenwerte sollen bei Entscheidungen über die Implementierung (oder Kostenübernahme) angenommen werden?  Wie soll Evidenz zu anderen Aspekten, etwa zu ökonomischen Auswirkungen, oder soziodemographischen Faktoren der primären Nutzer von Interventionen berücksichtigt werden? Zunehmend wird Evidenz nicht nur von Experten generiert und bewertet, sondern auch Patienten und Bürger werden in entsprechende Prozesse Eingebunden. Rechtfertigende Gründe sind oft implizit.  Was genau sind die Vor- und Nachteile der Einbindung verschiedener Gruppen (Patienten, Patientenvertretern, breitere Öffentlichkeit) in verschiedenen Kontexten, zum Beispiel im Hinblick auf die Bestimmung Forschungsrelevanter Endpunkte, oder die Rechtfertigung von kontroversen Allokationsentscheidungen?  Ergeben sich in bestimmten Fällen neue Herausforderungen, beispielsweise bezüglich Interessenkonflikten?

Der Einfluss von EbM auf die klinische Forschung.
Welchen Einfluss hat die EbM-Perspektive auf die öffentliche Finanzierung von klinischen Studien? Werden z.B. randomisierte klinische Studien (RCTs) vor den so genannten Practical Clinical Trials (PCTs) in der Finanzierung und in der jeweiligen Entscheidungsfindung zu einseitig bevorzugt? Wie ist es unter Gesichtspunkten von Ethik und EbM zu bewerten, wenn RCTs durchgeführt werden sollen, um Innovationen zu evaluieren, die keinen Nutzengewinn aber eine bessere Kosteneffektivität versprechen?

 

Tätigkeiten und Vorhaben

  • AG "QALY" (Leitung: Tanja Krones).
    Auf Beschluss des erweiterten Vorstandes im Januar 2009
  • AG "Methoden und Evidenz zur Regulierung von Interessenkonflikten" (Leitung: Daniel Strech).
    Auf Beschluss des erweiterten Vorstandes im Januar 2010.
  • AG "Management von Interessenkonflikten im DNEbM" (Leitung: Daniel Strech).
    Auf Beschluss des erweiterten Vorstandes im September 2016.
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Zuletzt verändert: 05.01.2017