Chronik

Das Thema "Evidenz in der Medizin" wird im deutschsprachigen Raum seit Mitte der Neunziger Jahre diskutiert. Der erste Trainingsworkshop wurde 1997 in Lübeck veranstaltet. 1998 wurde das DNEbM gegründet. Unsere "Chronik" gibt eine kurze Übersicht über die Meilensteine.

Wir über uns – Chronik des DNEbM


Einleitung

EbM in Deutschland und die Gründung des DNEbM

Die Geschichte der modernen Wiederentdeckung der "Evidenz in der Medizin" (vgl.: Ursprünge des EbM-Konzepts im 18. Jh.) ist nicht sicher zu klären (Sackett pers. Mitteilung 1998, zitiert bei Raspe 2007 [1]). Das Konzept taucht als solches in den 1980er-Jahren in der nordamerikanischen Literatur auf. Als Wiege der modernen EbM kann die McMaster-Universität in Hamilton/Ontario in Kanada (Department of Clinical Epidemiology and Biostatistics) gelten, wo der Begriff "Evidence based Medicine" Anfang 1990 von Gordon Guyatt geprägt wurde [2; 3].

Bis die EbM Deutschland erreichte, vergingen rund 5 Jahre. Der erste, der auf diese nordamerikanische und dann bald auch britische Entwicklung bei uns aufmerksam machte, war wahrscheinlich der Sozialmediziner David Klemperer mit einem 1995 veröffentlichten Aufsatz über "Qualität und Qualitätskontrolle in der Medizin" (dort im Abschnitt 4 über Klinische Entscheidungsfindung – Clinical decision making) [4]. Andere frühe Rezipienten kamen aus der Klinik und der ärztlichen Selbstverwaltung [5; 6] sowie aus Gesundheitswissenschaften und Sozialmedizin [7; 8].

Gegründet wurden das Deutsche Netzwerk EbM 1998 in Form einer informellen Arbeitsgemeinschaft im Rahmen des ersten bundesweiten EbM-Kongresses am 14.03.1998 [9]. Beteiligt waren u. a.: Gerd Antes (Vorsitzender 2001-2003), Ferdinand M. Gerlach, Günther Jonitz, Johannes Köbberling, Regina Kunz, Karl Lauterbach, Günter Ollenschläger (Schriftführer 2001-2013, Ehrenvorsitzender seit 2013), Matthias Perleth, Ludger Pientka, Franz Porszolt, Heiner Raspe (Vorsitzender 1998-2001), Hans Konrad Selbmann, Christoph Straub. Die Vereinsgründung fand unter Nutzung des selben Namens und unter Beteiligung vieler Akteure von 1998 am 6. Oktober 2000 statt.

Die Gründung des Deutschen Netzwerks für Evidenzbasierte Medizin hat in den letzten Jahren bedeutend die Bekanntmachung der EbM in Deutschland gefördert. Das Netzwerk hat heute ca. 850 Mitglieder.

Die einzelnen Meilensteine der Entwicklung der EbM in Deutschland bis hin zur Gründung des DNEbM sowie die bedeutsamsten Stationen und erfolgreiches Wirken des Netzwerkes finden Sie im nächsten Abschnitt.

 


Meilensteine 1998-2015

 

1997

    • Erster EbM-Workshop in Lübeck [10]
      Studentenworkshop: "Evidence Based Medicine" in Lübeck, 17.-21.08.1997
      Veranstalter: Institut für Sozialmedizin des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein.

1998

    • 1. Symposium Evidence-Based Medicine in Berlin
      Im März 1998 führte die Ärztekammer Berlin und die Bundesärztekammer in Kooperation mit der mibeg Consulting GmbH  das 1. Symposium EbM durch. 
      pfeil.gifzum Programm
    • Gründung der Arbeitsgemeinschaft "Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin" in Berlin
      Die Gründungsmitglieder des DNEbM luden im Rahmen des 1. Symposiums Evidence-Based Medicine zu einer ersten Diskussion über pro und contra einer Netzwerkbildung ein. Die informelle Arbeitgemeinschaft Deutsches Netzwerk Evidenzbasierte Medizin wurde am 14. März 1998 gegründet.
      pfeil.gifzur Einladung
    • Gemeinsame Stellungnahme von Bundesärztekammer und Kassenärztlicher Bundesvereinigung
      "Prozessorientierte Leitlinien und Prinzipien der Evidenz-basierten Medizin in der Versorgung berücksichtigen". Zur Anfrage der Gesundheitsministerkonferenz vom 20.07.1998 nahmen BÄK und KBV erstmalig Stellung zum Thema evidenzbasierte Medizin. 
      pfeil.gifzur Stellungnahme

1999

    • Erster Internet-Auftritt des DNEbM

2000

    • Einführung des Begriffs "evidenzbasierte Leitlinien" in das Sozialgesetzbuch (§§ 137f, 137g, 266 SGB V)
      Durch die Novellierung des Sozialgesetzbuchs Fünftes Buch (SGB V) hat der Gesetzgeber den Begriff "evidenzbasierte Leitlinien" aufgenommen und damit als – unseres Wissens – einziger Staat, die Akteure des Gesundheitswesens zur Anwendung der evidenzbasierten Medizin landesweit gesetzlich verpflichtet.
    • Zeitschrift für ärztliche Fortbildung und Qualität im Gesundheitswesen wird offizielles Publikationsorgan des DNEbM
      Seit Juni 2000 ist die ZEFQ (ehemals ZaeFQ) offizielles Publikationsorgan des DNEbM.
      Die ZEFQ wird  von folgenden Organisationen als offizielles Publikationsorgan genutzt:
      AkdÄAQUAAWMFÄZQBQSDCZDIMDIDNEbMG-BAG-I-N, GQMGIQWiG, KFS, SQMH
    • Lehrbuch Evidenzbasierte Medizin in Klinik und Praxis, 1. Auflage
      Mit dem Lehrbuch ist ein Werk erschienen, das Ausdruck der Entwicklung des Netzwerks EbM ist. Anhand typischer Problemstellungen ihres jeweiligen Fachgebiets vermitteln 57 Autoren neben Basiswissen die Praxis evidenzbasierter Medizin.
    • 2. Symposium Evidenzbasierte Medizin in Berlin / Gründung des DNEbM e. V.
      Vom 5. bis 7. Oktober 2000 fand in Berlin das 2. Symposium EbM unter dem Thema "EbM-Netzwerk" statt. Veranstalter: Ärztekammer Berlin, DNEbM, unterstützt durch das Bundesministerium für Gesundheit. Am 06. Oktober 2000 wurde in Berlin das Deutsche Netzwerk Evidenzbasierte Medizin e. V. gegründet.

2001


2002

    • Gründung des Fachbereichs Pflege
    • Curriculum Evidenzbasierte Medizin, 1. Auflage
      Mehrteiliger Fortbildungskurs für Ärzte, entwickelt im Auftrag der KBV und BÄK. Herausgeber: DNEbM und Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ).
    • Medizinstudenten sollen in EbM unterrichtet werden
      Das DNEbM hat in Göttingen die "Göttinger Erklärung zur Unterrichtung von Studierenden der Medizin" verabschiedet. Vom 14.-15. November 2002 findet in Göttingen das Symposium "EbM in der Lehre - Erfahrungen und Ausblick" statt. Das Symposium richtet sich nicht nur an Lehrende und Lernende sondern an alle, die sich der Implementierung von Prinzipien einer Evidenzbasierten Medizin in die studentische Ausbildung verpflichtet fühlen.
      pfeil.gifzur "Göttinger Erklärung zur Unterrichtung von Studierenden der Medizin"
    • Gründung des Fachbereichs EbM im Studium

2003

    • Cochrane Library – Kostenfreier Zugang für Mitglieder
      Ab Januar 2003 war für Mitglieder des DNEbM e. V. der kostenfreie Zugang zur Cochrane Library, einer hochwertigen Quelle für die praktische Umsetzung von EbM, möglich.
    • 4. Symposium Evidenzbasierte Medizin Freiburg
      Vom 14. bis 15. März 2003 fand in Freiburg das 4. Symposium EbM unter dem Thema statt. Veranstalter: Deutsches Cochrane Zentrum, Freiburg.
    • Gründung des Fachbereichs Operative Fächer
    • Kompendium Evidenzbasierte Medizin

2004

    • EbM Glossar - das DNEbM hat ein Glossar
    • 5. Jahrestagung des DNEbM in Lübeck
      Thema: "Rehabilitation und Pflege". Veranstalter: DNEbM und das Institut für Sozialmedizin des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein
    • 500. Mitglied des DNEbM
      Im Mai 2004 hat sich das 500. Mitglied des DNEbM angemeldet.
    • Aufbaukurs nach dem EbM-Curriculum
      Erstmals wird ein Aufbaukurs nach dem EbM-Curriculum angeboten.
    • Das DNEbM wird als Mitgliedsgesellschaft der AWMF aufgenommen.

2005

    • 6. Jahrestagung des DNEbM in Berlin
      Thema "EbM bei chronischen Erkrankungen und was hat es gebracht". Veranstalter: DNEbM und das Ärztliche Zentrum für Qualität in der Medizin.
    • Öffentliches Register für Klinische Studien
      Zur Unterstützung von EbM-Fortbildungsveranstaltungen hat das DNEbM die "Studie des Monats" eingerichtet. Vorstellung einer Studie, die diskutiert und bewertet werden kann.

2006


2007

    • 8. Jahrestagung des DNEbM in Berlin
      Thema "EbM in Qualitätsmanagement und operativer Medizin"
    • Lehrbuch Evidenzbasierte Medizin in Klinik und Praxis
      Im März wird die zweite, überarbeitete und erweiterte Auflage des erstmalig 2000 publizierten Lehrbuchs EbM veröffentlicht. Neben den Herausgebern (Regina Kunz, G. Ollenschläger, H. Raspe, G. Jonitz, N. Donner-Banzhoff) und der Redakteurin (Marga Cox) beteiligten sich 87 Autoren an der Erarbeitung des Lehrbuchs.
    • Neuer Internet-Auftritt des DNEbM
      Im Rahmen der 8. Jahrestagung wird der neue Internet-Auftritt des DNEbM vorgestellt.
    • Gründung des Fachbereichs Ethik und EbM

2008


2009

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2010


2011


2012

  • 13. Jahrestagung des DNEbM in Hamburg
  • Neuer Internet-Auftritt des DNEbM
    Im Rahmen der 13. Jahrestagung wird der neue Internet-Auftritt des DNEbM vorgestellt.
  • Gründung des Fachbereich Public Health
  • Neugründung des Fachbereichs Evidenzbasierte Pharmazie

2013


2014

  • 15. Jahrestagung des DNEbM zum Thema "Prävention zwischen Evidenz und Eminenz"in Halle (Saale)
  • DNEbM-Akademie in Lutherstadt Wittenberg zum Thema "EbM Inflation - Fiktion oder Wirklichkeit?"

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Mitgliederentwicklung

Die Mitgliederentwicklung seit 2000.

 

Vorstandsmitglieder 2000 - 2015

Das waren die Vorstandsmitglieder des geschäftsführenden Vorstands


 

2000-2001


Vorsitzender Prof. Dr. Dr. Heiner Raspe
Stellvertretende Vorsitzende Prof. Dr. Regina Kunz

Dr. Gerd Antes
Schriftführer Prof. Dr. Dr. Günter Ollenschläger


2001-2003


Vorsitzender Dr. Gerd Antes
Stellvertretende Vorsitzende Prof. Dr. Dr. Heiner Raspe

Prof. Dr. Peter Sawicki
Schriftführer Prof. Dr. Dr. Günter Ollenschläger


2003-2005


Vorsitzender Prof. Dr. Johannes Forster
Stellvertretende Vorsitzende Dr. Gerd Antes

Prof. Dr. Jürgen Windeler
Schriftführer Prof. Dr. Dr. Günter Ollenschläger


2005-2007


Vorsitzender Prof. Dr. Jürgen Windeler
Stellvertretende Vorsitzende Prof. Dr. Johannes Forster

Prof. Dr. Dipl. Ing. Edmund M. A. Neugebauer
Schriftführer Prof. Dr. Dr. Günter Ollenschläger


2007-2009


Vorsitzender Univ.-Prof. Dr. Prof. h.c. Edmund A. M. Neugebauer
Stellvertretende Vorsitzende Prof. Dr. Jürgen Windeler

Prof. Dr. Norbert Donner-Banzhoff
Schriftführer Prof. Dr. Dr. Günter Ollenschläger


2009-2011


Vorsitzender Prof. Dr. David Klemperer
Stellvertretende Vorsitzende Prof. Dr. Norbert Donner-Banzhoff

Dr. Monika Lelgemann, MSc
Schriftführer Dr. PH Sylvia Sänger


2011-2013


Vorsitzende Dr. Monika Lelgemann, MSc
Stellvertretende Vorsitzende Prof. Dr. David Klemperer

Prof. Dr. Gabriele Meyer
Schriftführer Prof. Dr. Dr. Günter Ollenschläger


2013-2015


Vorsitzende Prof. Dr. Gabriele Meyer
Stellvertretende Vorsitzende Dr. Monika Lelgemann, MSc

Prof. Dr. Dr. Daniel Strech
Schriftführer Dr. Markus Follmann, MPH, MSc


2015-2017

Vorsitzende Univ.-Prof. Dr. Ingrid Mühlhauser
Stellvertretende Vorsitzende

Prof. Dr. Gabriele Meyer

Dr. Dagmar Lühmann
Schriftführer Dr. Markus Follmann, MPH, MSc

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EbM - Kongresse im Überblick

Symposien, Jahrestagung und Kongresse im Überblick.

pfeil.gifÜberblick

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Literatur

Ausgewählte Artikel zur Historie der EbM in Deutschland und des DNEbM:

[1] Raspe HH. Theorie, Geschichte und Ethik der Evidenzbasierten Medizin (EbM). In: Kunz R. et al. Lehrbuch Evidenzbasierte Medizin. 2. Aufl. Köln: Dt. Ärzteverl. 2007.

[2] Guyatt G. Evidence-based medicine [editorial]. ACP J Club 1991;114(2):A-16.

[3] Gorman C. Are doctors just playing hunches? Time Magazine 2007;15. February (Online)

[4] Klemperer D. Qualität und Qualitätskontrolle in der Medizin. In: Damkowsky W, Görres S, Luckey K. Patienten im Gesundheitssystem - Patientenunterstützung und -beratung. Augsburg: Maro-Verl. 1995. p. 189-216. (Online)

[5] Donner-Banzhoff N, Allgemeinmedizin an der Universität Toronto: Hausärzte forschen für die Praxis. Dtsch Arztebl. 1996;93:A–2616–7 (Online)

[6] Ärztliche Zentralstelle Qualitätssicherung. Beurteilungskriterien für Leitlinien in der medizinischen Versorgung von Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, Köln 1996. Dtsch Arztebl 1997;94:2154-5 (Online)

[7] Perleth M, Beyer M. Evidenz basierte Medizin, die Cochrane Collaboration und der Umgang mit medizinischer Literatur Z ärztl Fortbild (ZaeFQ) 1996;90:67-73

[8] Raspe HH. Evidence based medicine: Modischer Unsinn, alter Wein in neuen Schläuchen oder aktuelle Notwendigkeit? Z ärztl Fortbild (ZaeFQ) 1996;90:553-62 (Online)

[9] Ollenschläger G, Kunz R, Jonitz G, Evidence-Based Medicine: Wege zu einer rationaleren Medizin. Dtsch Arztebl. 1998;95:A–267–70 (Online)

[10] Lühmann D. Bericht über den Ersten Lübecker Workshop Evidence based Medicine. In: Deutsches Cochrane Centrum (ed.) Rundbrief Nr. 3 der Cochrane Collaboration Deutschland. Freiburg 1997, S. 7-9 (Online)

In Kooperation mit dem Deutschen Netzwerk Evidenzbasierte Medizin DNEbM e. V. ist die deutschsprachige Ausgabe von Clinical Evidence Concise im Verlag Hans Huber als "Kompendium evidenzbasierte Medizin" erschienen.

 

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Zuletzt verändert: 18.03.2015