Neue Publikation der AG Beipackzettel

Die Darstellung von Nebenwirkungen im Beipackzettel kann nicht verstanden werden. Eine neue Publikation der AG Beipackzettel des EbM-Netzwerks zeigt verständliche Alternativen auf.

Die Angaben zu den Häufigkeiten von Nebenwirkungen in Beipackzettel sind nicht zu verstehen. Sogar Ärzte und Apotheker denken irrtümlicherweise, dass die gelisteten Nebenwirkungen in der genannten Häufigkeit durch das jeweilige Arzneimittel verursacht werden. Das haben die Gesundheitswissenschaftlerinnen Viktoria Mühlbauer und Ingrid Mühlhauser von der Universität Hamburg bereits in einer früheren Untersuchung gezeigt (1). Den wenigsten Menschen ist bekannt, dass kein ursächlicher Zusammenhang zwischen den als Nebenwirkungen gelisteten Symptomen und der Arzneimitteleinnahme bestehen muss. Das Missverständnis entsteht, weil im Beipackzettel Angaben fehlen, wie häufig die Nebenwirkungen auch ohne Arzneimitteleinnahme auftreten.

In Kooperation mit dem Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin haben die Hamburger Wissenschaftlerinnen nun gezeigt wie alternative Beipackzettel das Verständnis verbessern können. Die Studie wurde soeben im renommierten Fachjournal PLOS ONE veröffentlicht (2). Die Anpassungen fokussieren auf den Abschnitt Nebenwirkungen. Im Gegensatz zu den aktuell üblichen Beipackzetteln geben die alternativen Beipackzettel zusätzlich an, wie häufig bestimmte Symptome auch ohne Arzneimitteleinnahme auftreten und wie häufig die Nebenwirkungen tatsächlich auf die Arzneimitteleinnahme zurück zu führen sind. Die alternativen Formate wurden mit 397 Laien gegen den Standardbeipackzettel getestet. Während nur 2-3% der Teilnehmer mit dem Standardbeipackzettel Fragen zur Häufigkeit/Kausalität korrekt beantworten konnten, waren es mit den alternativen Formaten bis zu mehr als 80%. "Der Beipackzettel in seiner aktuellen Form wird weder von Patienten noch von Angehörigen der Gesundheitsberufe in punkto Nebenwirkungen korrekt verstanden. Wir haben gezeigt, dass eine Verbesserung möglich ist".

 

(1) Mühlbauer V, Mühlhauser I. Understanding adverse drug reactions in package leaflets - an exploratory survey among health care professionals. BMC Health Serv Res. 2015 Nov 10;15:505. doi: 10.1186/s12913-015-1160-1.

(2) Mühlbauer V, Prinz R, Mühlhauser I, Wegwarth O. Alternative package leaflets improve people's understanding of drug side effects-A randomized controlled exploratory survey.
PLoS One. 2018 Sep 13;13(9):e0203800. doi: 10.1371/journal.pone.0203800. eCollection 2018
Die frei zugängliche Publikation finden Sie hier.

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Zuletzt verändert: 02.10.2018