Neue EbM-Kolumne zum (Healthy) participation bias

In der aktuellen EbM-Kolumne im Journal der KV Hamburg setzt sich Ingrid Mühlhauser mit der Frage auseinander, warum Krebsregisterdaten nicht zum Nachweis der Wirksamkeit von Screening-Programmen taugen.

Die beiden an der aktuellen S3-Leitlinie Mammakarzinom beteiligten Autorinnen Albert und Schreer erläutern in einer Begleitpublikation ihre Bewertung von Nutzen und Schaden von Mammographie-Screening (Albert & Schreer 2018). Sie postulieren eine 40%ige Senkung des Sterberisikos für Brustkrebs und eine relative Risikozunahme von Überdiagnostik und Übertherapie zwischen 1% und 10%. Das ist erheblich optimistischer als die Daten, die das IQWiG nutzt (gesundheitsinformation.de).

Die Informationsbroschüre des IQWiG ist die offizielle Entscheidungshilfe für Frauen in Deutschland, die im Alter zwischen 50 und 69 alle 2 Jahre zum Screening auf Brustkrebs eingeladen werden. Das IQWiG beziffert den Nutzen mit einer 20%igen relativen Reduzierung der Brustkrebssterblichkeit und den Schaden durch Überdiagnostik mit 19% bis 24%. Diesen Schätzwerten liegt als Grundannahme eine regelmäßige Teilnahme der Frauen über den Zeitraum von 20 Jahren zugrunde. Die Daten sind Hochrechnungen, die auf den verfügbaren randomisiert-kontrollierten Studien zum Mammographie-Screening beruhen und zusätzlich Analysen britischer sog. unabhängiger Wissenschaftler nutzen (UK Independent Review 2012). Der Nachweis eines Effekts des Screenings auf die Gesamt-Krebssterblichkeit und die Gesamtsterblichkeit der Frauen ist bisher nicht gelungen.

Als natürliche Häufigkeiten ausgedrückt, gibt die IQWiG-Broschüre folgende Informationen: Von 1000 Frauen, die zwischen 50 und 69 regelmäßig am Screening teilnehmen, das sind 10 Screeningrunden, erhalten 59 eine Brustkrebsdiagnose. Von diesen versterben 13 bis 17 an der Erkrankung, 2 bis 6 weniger als ohne Screening, aber zwischen 9 und 12 würden eine Überdiagnose und Übertherapie erhalten. Ohne Screening würden in dieser Zeit nur zwischen 47 und 50 von 1000 Frauen eine Brustkrebsdiagnose erhalten, aber 19 daran versterben, und an der Gesamtmortalität ändert sich durch das Screening nichts. Die Autorinnen der S3-Leitlinie nutzen hingegen nicht die Daten aus den randomisiert-kontrollierten Studien, sondern aus Fall-Kontroll- und Kohorten-Studien...

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Zuletzt verändert: 02.03.2019