Evidenzhierarchien hatten traditionell eine große Bedeutung für die EbM. Heute sieht man Evidenzstufen deutlich kritischer, da sie die Bewertung von Studien scheinbar vereinfachen („Schubladendenken“), obwohl die Validität einer Studie multidimensional ist. Dennoch sind Evidenzhierarchien für einfache Zwecke ein durchaus hilfreiches Werkzeug, mit dem sich Evidenz systematisch sortieren lässt.
Bei Interventionen muss zwischen randomisiert kontrollierten (RCTs) und nicht randomisiert kontrollierten Studien unterschieden werden. Von der großen Gruppe der Kohortenstudien abzugrenzen sind Fall-Kontroll-Studien und Studien ohne Vergleichsgruppe. Das Oxford Centre for Evidence-based Medicine hat 2011 seine Einteilung von Evidenzstufen überarbeitet. Dieses Schema (OCEBM Levels of Evidence Version 2) mit 5 Evidenzstufen wird häufig verwendet und lässt sich vereinfacht so übersetzen:

  • Evidenzstufe 1: Systematische Übersichtsarbeit von randomisiert kontrollierten Studien
  • Evidenzstufe 2: Randomisierte kontrollierte Studie oder Beobachtungsstudie mit dramatischem Effekt
  • Evidenzstufe 3: Nicht randomisierte kontrollierte Kohortenstudie
  • Evidenzstufe 4: Fallserien, Fall-Kontroll-Studien, oder historisch kontrollierte Studien
  • Evidenzstufe 5: Pathophysiologisch-mechanistische Argumente

Da systematische Übersichtsarbeiten im engeren Sinne jedoch keine Primär-Evidenz sind, sondern existierende Evidenz aus Studien zusammenfassen, wird diese Evidenzstufe teilweise (z. B. im Rahmen der GRADE-Methodik) nicht verwendet.
Sehr gebräuchlich ist daher weiterhin die Version 1 der Oxforder Evidenzhierarchie, in der stärker zwischen Kohorten- und Fall-Kontroll-Designs unterschieden wurde, dafür aber die systematischen Übersichtsarbeiten von RCTs noch auf derselben Stufe wie RCTs standen:

  • Evidenzstufe 1: Randomisierte kontrollierte Studie oder Beobachtungsstudie mit dramatischem Effekt
  • Evidenzstufe 2: Nicht-randomisierte kontrollierte Kohortenstudie
  • Evidenzstufe 3: Fall-Kontroll-Studien
  • Evidenzstufe 4: Fallserien
  • Evidenzstufe 5: Pathophysiologisch-mechanistische Argumente

Auch der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) verwendet in seiner Arbeit die ‚klassische‘ fünfstufige Evidenzhierarchie (OCEBM Levels of Evidence Version 1), wobei allerdings alle retrospektiven Studien der Evidenzstufe 3 zugeordnet werden (siehe G-BA-Verfahrensordnung).