Evidenzbasiertes Monitoring chronischer Erkrankungen – mehr Evidenz, weniger Routine: Positionspapier zeigt Handlungsbedarf auf

12.10.2026. Wie oft sollten Kontrolluntersuchungen bei chronischen Erkrankungen sinnvollerweise erfolgen? Ein neues Positionspapier unter Beteiligung mehrerer Mitglieder des EbM-Netzwerks fordert, bestehende Monitoringroutinen kritisch zu überprüfen und stärker an wissenschaftlicher Evidenz auszurichten.

Regelmäßige Kontrolluntersuchungen gehören wie selbstverständlich zur Versorgung von Menschen mit chronischen Erkrankungen. Doch nicht immer ist wissenschaftlich ausreichend belegt, ob die Untersuchungen tatsächlich einen Nutzen für die Patientinnen und Patienten haben. Viele Monitoringroutinen sind historisch gewachsen und können zu unnötigen Folgeuntersuchungen, Überversorgung und einer ineffizienten Nutzung begrenzter finanzieller, aber vor allem personeller Ressourcen führen.

Das Positionspapier "Evidenzbasiertes Monitoring chronischer Erkrankungen in Deutschland – notwendige Stellschrauben für das Gesundheits- und Wissenschaftssystem" greift diese Problematik auf. Es ist im Rahmen des vom Innovationsfonds geförderten Forschungsprojekts ChroMo entstanden. An der Autorengruppe sind mehrere Mitglieder des EbM-Netzwerks beteiligt.

Die Autoren schlagen konkrete Maßnahmen vor, um das Monitoring chronischer Erkrankungen evidenzbasierter und effizienter zu gestalten. Dazu gehören eine stärkere Verantwortlichkeit der hausärztlichen Versorgung, der Abbau finanzieller Fehlanreize sowie die Weiterentwicklung von Disease-Management-Programmen. Zugleich fordern sie, Monitoringempfehlungen systematisch in evidenzbasierte Leitlinien aufzunehmen, die Datengrundlage für die Bewertung von Maßnahmen zu verbessern und gezielt Forschung zu bislang unzureichend untersuchten Kontrolluntersuchungen zu fördern.

Die Forderungen greifen ein zentrales Anliegen der Evidenzbasierten Medizin auf: Medizinische Maßnahmen sollten nicht allein deshalb durchgeführt werden, weil sie sich in der Versorgung etabliert haben und allseits beliebt sind. Entscheidend ist, ob ihr Nutzen für die Patientinnen und Patienten wissenschaftlich belegt ist und mögliche Schäden angemessen berücksichtigt werden. Das gilt nicht nur für therapeutische Maßnahmen, sondern ebenso für regelmäßige Kontrolluntersuchungen.

Das Positionspapier macht deutlich, dass auch etablierte Kontrolluntersuchungen regelmäßig auf ihren tatsächlichen Nutzen überprüft werden müssen. Es zeigt zugleich, wo Forschungsbedarf besteht und welche Veränderungen im Gesundheitssystem notwendig sind, damit sich das Monitoring chronischer Erkrankungen künftig stärker an wissenschaftlicher Evidenz orientiert.

Positionspapier lesen (PDF)

 

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