Systematische Reviews – Qualität statt Quantität: Gelungener Auftakt des neuen „EbM-Forums“
Am 9. März ist das neue „EbM-Forum“ des EbM-Netzwerks mit großer Resonanz gestartet: Rund 110 Teilnehmende beteiligten sich an der Auftaktveranstaltung. Über dieses rege Interesse haben wir uns sehr gefreut.
Ziel des neuen Veranstaltungsformats des EbM-Netzwerks ist es, über aktuelle EbM-relevante Themen zu diskutieren - über Sektor-, Rollen- und Institutionsgrenzen hinweg.
Im Mittelpunkt des ersten Forums stand der kürzlich in der ZEFQ veröffentlichte Aufruf „Wir brauchen weniger, dafür bessere systematische Reviews!“. Diskutiert wurde insbesondere, wie sich die Flut qualitativ unzureichender Reviews eindämmen lässt und welchen Beitrag die verschiedenen an der Review-Erstellung beteiligten Akteure dazu leisten können.
In einem einleitenden Impuls stellte Prof. Dr. Cordula Braun (hochschule 21, Buxtehude) stellvertretend für die Autorengruppe zentrale Aspekte der Veröffentlichung vor. Darauf folgten - stellvertretend für die vier Perspektiven „Klinik/Praxis“, „Leitlinienentwickelnde“, „Forschungsförderer“ und „Verlage/Fachzeitschriften“, vier Kurzimpulse von Prof. Dr. Pascal Probst (Spital Thurgau AG, Schweiz), Peggy Prien (ZI, Berlin), Dr. Elise Radtke (Projektträger DLR, Bonn) und Prof. Dr. Christopher Baethge (Deutsches Ärzteblatt, Köln).
In der anschließenden offenen und engagierten Diskussion wurden zahlreiche Aspekte rund um die Erstellung und Publikation systematischer Reviews aufgegriffen. Konsens bestand darin, dass es verschiedene Ansatzpunkte gibt, um die Qualität zu verbessern und die Zahl wenig belastbarer Reviews zu verringern. Genannt wurden unter anderem strengere Förderrichtlinien und eine konsequentere Überprüfung ihrer Einhaltung, die sorgfältige(re) Identifizierung und Prüfung bereits vorhandener Reviews vor der Planung neuer Vorhaben, die gezielte Einbindung von Expert:innen aus Klinik und Praxis bei der Formulierung relevanter Fragestellungen sowie Verbesserungen in der Aus- und Fortbildung zu den Methoden systematischer Reviews.
Gleichwohl sahen die Diskutierenden eine wesentliche Herausforderung darin, dass die unterschiedlichen Anreize auf Systemebene so stark sind, dass die Erstellung (z. B. wegen akademischer Anreize) und Publikation (z. B. wegen finanzieller Anreize) qualitativ unzureichender Reviews voraussichtlich weiterhin kaum zu verhindern sein wird. Ohne Veränderungen auf der Systemebene besteht somit die Gefahr, dass Bemühungen einzelner Akteure nur begrenzte Wirkung entfalten.
Ein Ergebnis der Diskussion: Entscheidend sind der Wille und die Bereitschaft aller beteiligten Akteure, sich aktiv für Veränderungen einzusetzen. Aus Sicht der Nutzenden wären zudem ein „kuratierter“ Zugang zu hochwertigen Reviews oder perspektivisch ein „Data Hub“ wünschenswert, in dem Daten aus Primärstudien so strukturiert zusammengeführt werden, dass daraus verlässliche systematische Übersichten leichter entstehen können. Beide Ansätze werfen allerdings Fragen der praktischen Umsetzung, Finanzierung und Pflege auf.
Das erste "EbM-Forum" hat wichtige Impulse gesetzt. Die Diskussion soll fortgeführt werden.