Medizin am Handgelenk – wie belastbar ist die Evidenz?

29.01.2026. Im aktuellen KVHH Journal 2/2026 ist die neue EbM-Kolumne „Früherkennung von Vorhofflimmern mittels Smartwatch – Lebensretter am Handgelenk?“ erschienen. Der Beitrag von Prof. Dr. Naomi Fujita-Rohwerder beleuchtet kritisch das Potenzial und die wissenschaftliche Evidenz hinter dem Einsatz von Smartwatches zur Erkennung von Vorhofflimmern.

Vorhofflimmern ist die weltweit häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung mit erheblichem Risiko für Schlaganfälle, Herzinsuffizienz und erhöhte Mortalität. Da die Erkrankung häufig asymptomatisch verläuft, erscheint ein Screening grundsätzlich attraktiv. Zwar werden durch ein solches Smartwatch-basiertes Screening mehr Personen mit Vorhofflimmern entdeckt. Allerdings bedeutet dies nicht automatisch, dass diese Personen auch von dieser Diagnose profitieren werden. Denn es gilt: Jede Screening-Maßnahme bringt sowohl mögliche Vorteile als auch Risiken mit sich, weshalb eine fundierte Evidenzbasis entscheidend ist.

Im Artikel werden die zugrundeliegenden Messverfahren – Photoplethysmographie (PPG) und ein 1-Kanal-EKG über Smartwatches – erläutert und in ihren Anwendungskontext eingeordnet. Besonders hervorgehoben wird die Unterscheidung zwischen reinem Lifestyle-Tracking und Funktionen, die als Medizinprodukt gemäß MDR zertifiziert sind – eine wichtige Voraussetzung, wenn Messdaten für klinische Entscheidungen genutzt werden sollen.

Auf Basis der aktuellen Leitlinien und Studienlage kommt die Autorin zu dem Schluss, dass bisher kein klarer medizinischer Nutzen eines Smartwatch-basierten Screenings auf Vorhofflimmern belegt ist. Große randomisierte Studien, die patientenrelevante Endpunkte wie Schlaganfallraten untersuchen, fehlen bislang. Gleichzeitig besteht bei Personen mit geringer AF-Last das Risiko von Überdiagnosen und damit verbundener Übertherapie – ein klassisches Dilemma evidenzbasierter Prävention.

 

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