Vitamin D – das Ende eines Hypes?

01.07.2021. In der aktuellen EbM-Kolumne von Ingrid Mühlhauser wird klargestellt, dass es für ein routinemäßiges Checken von Vitamin-D-Spiegeln keine Evidenz gibt.

Die US Preventive Services Taskforce (USPSTF) hat der routinemäßigen Messung von Vitamin‑D‑Spiegeln (25-hydroxyvitamin D) neuerlich eine Absage erteilt (1). Die amerikanische Wissenschaftsbehörde zur Beurteilung von präventiven gesundheitlichen Maßnahmen hat die Evidenz zum Screening auf Vitamin‑D‑Mangel aktualisiert (2). Randomisiert-kontrollierte Studien (RCT), die gezielt den Nutzen des Screenings untersuchen, fehlen weiterhin. Andererseits konnten 46 RCT zur Supplementierung mit Vitamin D ausgewertet werden. Die Gutachter konnten keine Wirksamkeit einer Behandlung niedriger Vitamin-D-Spiegel belegen, weder auf Mortalität noch das Auftreten von Knochenbrüchen, Stürzen, Diabetes, kardiovaskulären Krankheiten, Krebs oder Depression. Die Effekte auf Infektionskrankheiten und körperliche Funktionalität bleiben ungeklärt.

Die USPSTF nennt mehrere Gründe für ihre Negativ-Empfehlung (1). So ließe sich kein Schwellenwert festlegen, der allgemein gültig einen Mangel an Vitamin D definieren könnte. Der Bedarf an Vitamin D wäre individuell sehr variabel. Die Messmethoden seien nicht ausreichend zuverlässig. Zudem gibt es keinen Konsens zu Zielwerten von Vitamin-D-Spiegeln, die einen optimalen Gesundheitsstatus anzeigen. Teilweise fehlen aussagekräftige Interventionsstudien zur Supplementierung. Soweit RCT vorliegen, können sie einen Nutzen der Supplementierung nicht belegen. Die Empfehlungen beziehen sich nicht auf institutionalisierte Personen wie Bewohner*innen von Alten- und Pflegeheimen. Auch Studien zu schwangeren Frauen wurden nicht berücksichtigt...

 

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